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#DigitalIntimacy – oder wie geht Nähe auf Distanz?

Ich finde das Leben im Internet anstrengend, und das nicht nur weil wir uns dort oft und viel „auf die Füße [treten] und auf die Nerven [gehen]“ (Michael Seemann), sondern wegen der unausgewogenen „Sinneskost“ (Hurrelmann). Ich kann den Kaffee und das Parfüm meines Bildschirm-Gegenübers nicht riechen, den Raum, in dem sie/er sitzt, nicht wahrnehmen, keine Bewegungen und Stimmungen spüren. Stattdessen bin ich permanent und pausenlos im Technikstress – “Hört man mich?”, “Du bist noch gemutet”, “Ist mein Bildschirm zu sehen?”– und muss gleichermaßen aktiv zuhören wie genau hinsehen, um am Ende völlig erschöpft doch keinen richtigen Draht zu meinem Gegenüber zu kriegen. 

Schon von Angesicht zu Angesicht ist es schwer, hinter die Fassade eines Menschen zu blicken. Remote ist es doppelt schwer, denn hier müssen wir die mediale und die performative überwinden. Und dabei stehen uns nur Seh- und der Hörsinn zur Verfügung. Wie kann ich mir sicher sein, ob die über ihre lärmenden Kinder lachende Kollegin wirklich so heiter ist? Ob es der durch Krankheitsausfälle stark geforderte Mitarbeiter wirklich so gelassen nimmt? Oder droht hinter den Fassaden vielleicht der unmittelbare Kollaps? Um das wahrnehmen zu können, braucht es leibliche Präsenz. Doch die ist remote nicht verfügbar. Was also dann?

Über diese und weitere Fragen habe ich mit der promovierten Soziologin und Moderatorin Dr. Julia Kropf in ihrer Talkreihe #Nachfragen gesprochen. Julia und ich haben mehr als 10 Jahre zusammengearbeitet, viele davon sogar vis-à-vis in einem Büroraum. Sie war eine großartige Kollegin und ist mir bis heute Freundin geblieben.

Beitragsbild (c) Aleks Marinkovic via Unsplash